Thursday, 17. july 2008
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Hallo Leute!
Die zweite Woche ist bereits Geschichte und mir fällt gerade auf, wie rasch die Zeit hier vergeht. Auch wenn die anfängliche Euphorie dem gewohnten Gefühl einer Art "Alltag" gewichen ist - Alltag
ist hier doch kein einziger Tag! Jeden Tag treffe ich neue, spannende Leute und ich merke, wie rasch ich Fortschritte mache.
Die 2. Woche war ganz auf die Schule ausgerichtet. Hier in Vancouver arbeiten die Leute für gewöhnlich zwischen 9:00 und 18:00, Geschäfte sind auch am Wochenende von 7:00 bis teilweise 23:00
geöffnet und wir haben zwischen 9:00 und 17:00 Schule. Mittagessen, Lunch, ist zwischen 13:00 und 14:00. Es sind anstrengende Tage: am Vormittag wird mehrheitlich Grammatik, Syntax und Morpheme
gelernt, das heisst, wir analysieren gemeinsam Besonderheiten der englischen Sprache, unterscheiden zwischen britischen und amerikanischen Ausdrücken, bilden aus den einzelnen Bausteinen
abgeleitete Ausdrücke, erweitern unseren Wortschatz und wenden das Gelernte auch gleich wieder vertiefend an. Wir schreiben Texte, lesen vor und schauen oder hören kurze Video- und
Audiosequenzen. Am Nachmittag wird Konversation geübt.Wir spielen Konversationsspiele und Rollensequenzen und/oder debattieren leidenschaftlich über kontroverse Themen. Gerade der Nachmittag
gefällt mir sehr, da wir in diesen Nachmittagslektionen besonders viele Idiome, also Besonderheiten der Sprache lernen, anwenden und spielerisch ausprobieren können. Mein Fluchwortschatz
übrigens, AUCH den konnte ich erweitern! Am Nachmittag wechseln zudem die Klassen, denn es sind bei weitem nicht so viele StudentInnen für die Nachmittagsklassen gebucht, wie am Morgen, da die
Nachmittagslektionen Zusatzangebote für Intensiv- und Super-Intensiv-Kurse sind. Und jetzt, im Juli, besuche ich den Super-Intensiv-Kurs. Für Gewöhnlich besteht eine Klasse aus ca. 9 - 12
TeilnehmerInnen, die alle dem gleichen Sprachlevel zugeteilt sind. Meine Klasse hat Level 8 von 10 möglichen. Und jeden Freitagvormittag gibt es einen ca. 30-minütigen Test, wo wir unsere
Lernfortschitte beweisen können und darstellen, dass wir etwas gelernt haben. Insgesamt stellt dieser Test einen Teil der "Aufstiegsmöglichkeiten" dar. Das heisst, wer mitmacht, mitdenkt, lernt,
anwesend ist und gute Noten in den Tests schreibt, kommt ins nächste Level.
Apropos Level: Das Wetter hier ist nicht nur Level 8 oder 9, sondern einsames 10! Seit über 10 Tagen habe ich keine einzige Wolke am Himmel gesehen. Vielleicht einmal eine scheue Schleierwolke,
die sich frech am Morgen über der Stadt ausgebreitet hat, aber sobald die mächtige Sonne etwas draufschien, sich dann auch gleich wieder hinter die nächsten Rockies verkrochen hat. Die
Waldbrandgefahr wurde gestern auf "High" heraufgestuft und wie ihr ja von den Nachrichten her wisst, wie es in Kalifornien brennt, so kann es theoretisch auch bei uns in Vancouver und Umgebung
brennen. Feuer, Zigarettenglut und andere Brennstoffe in den Wäldern sind zur Zeit absolut tabu! Die Temperaturen hingegen sind mit ca. 25°C, einem konstanten Westwind und relativ niedriger
Luftfeuchte absolut ertragbar. Und so: wer unter der Woche Zeit hat, geht sich an den Stränden Vancouvers baden oder geht in die Parks und lümmelt dort relaxt herum. Auch ich durfte lümmeln:
bin schon ganz braun... Letztes Wochenende war ich mit meinem ukrainischen Roommate (also kein Untermieter, der Roommate ist ein Zimmer nebenan, auch wenn es dieser Ausdruck vermuten liesse,
dass er im gleichen Zimmer untergebracht wäre) im Vancouver-Aquarium, im Stanley Park und am Sonntag waren wir mit ein paar Frauen asu Holland und Brasilien auf dem Hausberg, dem Grouse Mountain,
wo wir doch prompt eine vom Aussterben bedrohte Grouse, einem so genannen Rauhfusshahn, begegnet sind. The grouse on Grouse Mountain! War ein echt tolles Wochenende mit Action, Aussicht und
Attraktion! Im Aquarium konnten wir einen Haifisch sezieren, viel Wissenswertes über die Unterwasserwelt erfahren und einem Beluga-Baby beim Muttermilch schlürfen zuschauen. Die Treppe auf
den Berg war dermassen steil und unendlich treppig und vollgestopft mit ambitionierten "BergrennerInnen" (die sekkeln da den Berg binnen 30 Minuten hoch! 850 Höhenmeter und 2,5
Distanzkilometer - ich weiss nicht, aber bestimmt 3000 Treppenstufen!!!) Wir waren verschwitzt nach 2 Stunden oben angekommen. Und die Aussicht belohnte uns für jede gelittene
Stufe: Vancouver direkt vor uns, ausgestreckt bis an den Horizont und dort erwartete uns die Vulkane Mt Baker, Mt Rainier, die Bergkette von Vancover Island, die schneebedeckten
"Lions" hinter uns und die mächtigen Wälder des Umlandes. Und weit in der Ferne, ca. 200km entfernt, konnte man auch einige Industrieanlagen der Grossstadt Seattle erkennen, auch wenn dies mein
Hostdaddy nicht wahrhaben wollte... Die Aussicht war einfach genial und auch er wäre entzückt über diese einmalige Weitsicht gewesen. Ach ja, es waren wirklich keine Wolken am Himmel zu
sehen ;-)
Heimweh? Hatte ich auch... ja, vielleicht. Weiss nicht. Letzten Samstagvormittag (vielleicht war es auch der Kater vom Vodka vom Vorabend) lag ich arg geknickt im Bett. Alles ist so anders. Und
wie Steffi gesagt hat - danke übrigens - kommt man Fernab der Heimat stark ins Grübeln über sich selber. Vieles hinterfragt man und vieles wird an einem hinterfragt. Sei es die Kultur, sei es das
eigene Auftreten usw. Auch fühle ich mich hier wie an der PHZ - Leute älter als 25 Jahre findet man eher wenige. Und wenn man dann - ungeübt wie ich im Tanzen bin - in der Disco komisch
herumhopst, dann grinsen einige Mexikanerinnen und zeigen auf mich... etwas bekümmert ging ich zum Tisch und den anderen zurück und bestellte nochmals einen doppelten Vodka... Eben, ich weiss
nicht, ob ich den russischen Kater hatte oder die schweizer Alpenkuh. Mein Rivella bleibt jedenfalls (noch) fest verschlossen! ;-)
Fotos folgen noch - vielleicht noch heute, spätestens aber wenn ich auch von meiner Host Family auch ein paar Klicks gemacht habe!
Am Freitag gehts an ein American-Football Game und am Wochenende bin ich in der smaragdenen Stadt - Seattle, der Heimat von mighty Starbucks, von dem es hier an jeder Ecke einen gibt.
Keep on running
Gérard